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Sonntag, 15. März 2026

Becker, Madeleine - Gekommen, um zu bleiben

  

Genre: Sachbuch

 Verlag: Goldmann

ET: 2026

Seiten: 285

 Meine Gedanken zum Buch: ein Buch, wo ich mich beim Lesen wohlfühle

Wann hab ich das Buch gekauft?   ies ist ein Gewinn von vorablesen

 Ist es Teil einer Reihe oder steht es allein?  es steht allein. Aber die Autorin hat davor schon zwei Bücher geschrieben:

  • Hin und weg: (Über)Leben auf dem Bauernhof – zwischen Kühen, Krisen und Kohlrabi

  • Erstmal für immer: Vom Hörsaal in den Kuhstall (allerdings beide von Piper)

 

Als ich gesehen habe, dass bei Vorablesen ein Buch verlost wird, das genau mein Ding ist, musste ich da mitmachen. Es geht um das Buch von Madeleine Becker: Gekommen, um zu bleiben. Darin geht es um einen Neuanfang, um Schwierigkeiten und vor allem um Tiere. Madeleine zieht mit Lukas und etlichen Tieren auf einen Bauernhof im Wald. Dort beginnt ein Neuanfang nach vier Jahren schlimmer Zeit. Doch dieser erweist sich erstmal nicht als erholsam. Zu viele Hindernisse, Schwierigkeiten und vieles mehr kommen ihr dabei in den Weg. Doch Madeleine kämpft sich durch und schafft es.

In diesem Buch beschreibt sie diesen Neuanfang mit allen Widrigkeiten, die ihr in den zwei Jahren begegnet sind. Und das sind nicht wenige.

Detailliert beschreibt sie ihre zwei neuen Lebensjahre in der Wald-WG. Es gibt Tränen und Freude.

Ich habe das Buch angefangen zu lesen und war sofort mittendrin. Ich dachte mir: eine mutige Frau. Und ein klein wenig beneidete ich sie. Auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, diese Meisterleistung selbst zu schaffen. Aber ich spüre das Glück, das Madeleine und Lukas haben, auch wenn es nicht immer einfach ist. Aber die Autorin und „Freizeit“-Bäuerin (entschuldigt den Ausdruck, aber für mich passend) schreibt hier mit Gefühl. Oftmals war ich mittendrin, als die Kühe auf der Alm verschwunden sind, und spürte die Angst. Aber auch die Freude – selbst wenn es nur über klitzekleine Dinge ist.

Madeleine zeigt uns aber auch, wie schlimm es in der Massentierhaltung ist und wie oft die Tiere leiden müssen. Sie regt zum Umdenken an. Zumindest versucht sie es. Ich für meine Ansicht stimme ihr so sehr zu, und auch ich achte sehr auf das Tierwohl. Ja, ich esse Fleisch und trotzdem denke ich an das Tierwohl. Mag sein, dass es für viele „heuchlerisch“ ist. Aber auch so kann man seinen Teil dazu beitragen. Doch darum geht es hier gerade nicht, das kann man im Buch selbst nachlesen!

Sehr gut gefällt mir, dass sie hier viel auf ihre Tiere eingeht und sie gut beschreibt. Denn jedes Tier – egal ob Kuh, Schwarm (wer wissen will, was das ist, liest das Buch!) oder Geflügel – hat seinen eigenen Charakter. Madeleine zeigt uns diese, und ich habe mich da oft in meinen Schafen und Hühnern wiedererkannt und genickt: Ja, so ist es auch bei meinen Tieren.

Am liebsten sind mir die Kapitel über die Hühner und den Hahn sowie die Kühe.

Madeleine erzählt uns auch über den Anbau von Gemüse und Co. Sie beschreibt, welche Schwierigkeiten es gegeben hat und wie sie sich über die Ernte freut. Man spürt ihr Glück einfach und freut sich mit über die ersten Karotten.

Gerne möchte ich eine Stelle zitieren, bei der ich dachte, ich packe gleich meine Koffer und fange einen Neustart an:

„Ich möchte an einem Ort leben, von dem ich nicht ‚aufs Land fliehen‘ muss, um mich zu erholen. Ich möchte nicht vor die Tür gehen und tief durchatmen können … Es gehört für mich mittlerweile einfach dazu, dass ich meine Nudeln mit gierig feinblickenden Hennen teilen muss … Ich möchte ständig in Gummistiefeln herumlaufen, die Kleidung voller Fell und Erde haben, und mit einer Katze auf dem Schoß die Abendsonne genießen.“

Also besser hätte ich das nicht sagen können. Ja, eigentlich erlebe ich das hier ja schon im Dorf: Ich kann durchatmen, muss nicht aufs Land „fliehen“ und teile oft das eine oder andere, was ich esse, mit gierig dreinblickenden Hühnern. Und ich genieße die Abendsonne mit Hund Sam. Ich trage oft „Stallkleidung“, wo auch ab und zu mal etwas Mist dran ist – oder Erde vom Knien.

Ein weiteres wahres Wort findet sich auf Seite 194. Ich zitiere wieder teilweise:

„Auf gewisse Art und Weise haben wir uns von unserer Umwelt entfremdet, ja richtiggehend herausgelöst. …Wenn ein Schwarm von Insekten eine ganze Ernte zunichtemacht, nennen wir das eine Plage, doch wenn der Mensch ganze Lebensräume zerstört oder Tierarten auslöscht, heißt es Wirtschaftswachstum, Fortschritt – oder gar (vermeintlich) notwendiges Übel.“

Ich denke, darüber sollte man einfach mal nachdenken. Leider tun das nur sehr wenige Menschen. Warum? Weil eben die Gier – so drücke ich es aus – oftmals zu groß ist.

Madeleine Beckers Buch regt zum Nachdenken an. Und das nicht nur mal kurz.

Es zeigt uns, was und wie viel falsch läuft im Leben bei vielen. Aber es zeigt auch, dass es schöne Seiten gibt.

Madeleine ist – wenn ich es so sagen darf – mein Vorbild, und ich könnte mir vorstellen, dass ich es, wenn ich jünger wäre, auch so machen würde.

Beim Lesen des Buches dachte ich oft: Ich mache einfach mal Urlaub in der Wald-WG. Und bei ihr heißt Urlaub nicht, einfach mal dahin fahren und fünf gerade sein lassen. Nein, man hilft auf dem Hof, im Haus und vor allem bei den Tieren. Ja, das ist ein Urlaub nach meinem Geschmack. Und das ohne Zeitdruck, für alles.

Aber nun kurz zur Person selbst: Ihr Bauernhof liegt in der Steiermark am Waldrand. Sie hat dadurch so viele schöne Möglichkeiten – außerhalb ihrer Tiere – und da beneide ich sie sehr.

Es gibt auch traurige Dinge darin, bei denen mir fast die Tränen gekommen sind. Zum Beispiel mit Kater Kurt. Ich fühlte ihre Trauer, ihre Vorwürfe gegen sich selbst.

Ich habe es auch schon erlebt.

Aber auch die Habichtangriffe auf die Hühner kenne ich nur zu gut. Wie man auf einmal aufspringen und schreiend zu den Hühnern laufen muss 😊

Ich kenne das Gefühl, ein geliebtes Tier zu verlieren und dass man lange darüber trauert.

Aber auch die Beziehung zu Lukas – am Ende schreibt sie darüber – da habe ich zustimmend genickt und gedacht: Ja, das kenne ich.

Mitten im Buch gibt es zweimal ein „Bilderpaket“ von Hof, Gegend und Tieren. So kann man sich das Leben nochmals besser vorstellen.

Für mich ist dieses Buch Gekommen, um zu bleiben bisher das Highlight des Jahres 2026.

Am Ende des Buches kommt die Danksagung. Sie ist wie alle anderen und doch anders. Danach ist die Beobachtungsliste: jedes einzelne Tier von 2024 auf 2025 aufgelistet. Da wurde ich ganz „neidisch“, denn sie hat so viele Tiere beobachtet. Hier im Dorf sehe ich zwar auch viele, aber leider ist es hier so „menschlich“, dass es viele Tiere nicht mehr gibt.

Und das Schlusslicht bildet das Glossar, in dem englische Begriffe erklärt werden.

Mein Fazit: Das Buch muss man lesen! Um sich Gedanken über die Natur zu machen und darüber, wie wir mit ihr umgehen, was alles falsch läuft. Ganz ehrlich, vielleicht sollte es sogar Pflichtlektüre im Schulunterricht werden! Diese Generation könnte man noch wachrütteln.

Das Cover ist ja voll meines. Madeleine im Freien, umgeben von Hühnern und Katzen. Hinten mit ihrer Kuh, Auge in Auge. Ich mag so etwas auch mal. Bisher waren es nur meine Schafe, und das Gefühl ist so schön.

Drinnen sind im vorderen Bereich zum Aufklappen der Hof gemalt, mit Beschreibungen, wo was ist.

Hinten dasselbe, nur mit allen vier- und zweibeinigen Bewohnern.

Ich finde das Buch so gelungen, auch wenn ich mich wiederhole!

1 Kommentar:

  1. Guten Morgen Anja,
    deine Begeisterung ist dir in deiner Rezension anzumerken. Ich hatte schon vermutet, dass es dir besser gefallen hat als mir. Du hast ja auch den täglichen Hintergrund vor Ort und weißt, wovon sie schreibt.
    Mit den Tieren fand ich auch unterhaltsam, insgesamt erschien es mir aber nicht so sehr als Roman, den jeder gerne liest, sondern halt eher als Erfahrungsbericht mit Höhen und Tiefen. Das hat mich aber leider nicht so gepackt!
    Liebe Grüße
    Barbara

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