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Sonntag, 4. April 2021

Buschmann, Claas ~Wenn die Toten sprechen


Verlag:
Ullstein (danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar)

Genre: Sachbuch, True Crime

ISBN: 9783548064024

ET: April 2021

Seiten: 239

Der Anfang: Berlin Mitte, kurz nach sieben Uhr morgens. … Hinter einer Parkplatzschranke: ein Kubus mit durchbrochener Fassade. …Drinnen ein langer Flur. Rechts geht’s hinein in die Umkleidekabinen…Dahinter öffnet sich eine Tür zu einem weiteren Flur. … nur noch ein paar Schritte sind es bis zu der großen Schiebetür mit dem gläsernen Bullauge. Dahinter ist sie schon zu sehen, die vier parallel aufgestellten Metalltische…. Berlin Mitte, kurz nach halb acht. Sechs Gerichtsmedizinerinnen und – mediziner betreten den Obduktionshalle – und beginnen mit der Arbeit.““

Meine Gedanken zum Buch: ein gutes Buch über die Arbeit der Rechtsmedizin

Ist es Teil einer Reihe oder steht es allein? Es steht allein

Kurzinhalt: Jeden Tag vor einer Leiche stehen? Nichts für schwache Nerven. Für Claas Buschmann ist genau das seine tägliche Arbeit – früher als Notfallsanitäter und heute als Rechtsmediziner an der Charité Berlin. Wann ist die Person gestorben? Und woran? War es ein natürlicher Tod, ein Unfall oder gar Mord? Diesen Fragen spürt er jeden Tag nach und leistet damit einen entscheidenden Beitrag zur Ermittlungsarbeit in einem Todesfall. Zu seinem Job gehört auch, dass er den Sektionssaal verlassen muss und an Fundorte fährt, um im Beisein der Polizei Leichen zu begutachten. In diesem Buch erzählt er von den spektakulärsten Fällen in seiner Laufbahn – und von denen, die ihn am meisten bewegten. Ein Muss für alle True Crime-Fans.

Was möchte ich dem Autoren zu seinem Werk sagen? Claas Buschmann möchte einen Einblick in die Arbeit der Rechtsmedizin geben.

Meine Meinung: Menschen wie Claas Buschmann sind wichtig. Ihre Arbeit ist wichtig. Denn sie klären auf, was wirklich geschehen ist, wenn man Leichen findet, deren Tot ungeklärt ist.

Claas Buschmann ist heute Oberarzt der Berliner Rechtsmedizin und war früher als Rettungsassistent tätig.

In dem Buch „Wenn Tote Sprechen“ erzählt der Mediziner und Autor von seiner Arbeit im Sektionssaal. Von den Fällen, die ihn besonders bewegt haben. Dabei

Aber hier werden nicht nur die einzelnen Fälle beschreiben, sondern es gibt hier auch viel Hintergrundinformation.

12 Fälle werden hier in dem Buch vorgestellt. 12 ganz unterschiedliche Fälle. Alles ist dabei, Verkehrsunfall, Totschlag bzw. Mord, Suizid. Nicht alle Fälle konnten hier genau aufgeklärt werden und es bleiben Fragen offen.

Bei jedem Kapitel erzählt Claas Buschmann nicht nur den gerade behandelten Fall, sondern es kommen hier auch zusätzliche Begebenheiten zu Wort. Außerdem wird der Leser nicht im Unwissen gelassen bei medizinischen Fachbegriffen oder ähnlichem. Der Autor geht darauf gut ein.

Das ganze wird noch authentischer, weil der Rechtsmediziner seine Erlebnisse in Ich Form erzählt. Aber auch kommen hier die Gefühle von ihm und auch von den anderen Mitwirkenden wie Polizei, Sanitäter und co zur Sprache.

Beginnen tut das Buch mit dem Arbeitsbeginn und dem Ablauf:

„Berlin Mitte, kurz nach sieben Uhr morgens. … Hinter einer Parkplatzschranke: ein Kubus mit durchbrochener Fassade. …Drinnen ein langer Flur. Rechts geht’s hinein in die Umkleidekabinen…Dahinter öffnet sich eine Tür zu einem weiteren Flur. … nur noch ein paar Schritte sind es bis zu der großen Schiebetür mit dem gläsernen Bullauge. Dahinter ist sie schon zu sehen, die vier parallel aufgestellten Metalltische…. Berlin Mitte, kurz nach halb acht. Sechs Gerichtsmedizinerinnen und – mediziner betreten den Obduktionshalle – und beginnen mit der Arbeit.““

Dann in einem Vorwort erklärt der Autor, wie er zur Rechtsmedizin gekommen ist. Über den Rettungsassistentendienst. Außerdem hat ein sehr bekannter Rechtsmediziner seinen Beitrag auch dazu geleistet. Danach kommen die eigentlichen Fälle.

Diese fand ich recht spannend und habe daher das Buch schnell gelesen. Trotzdem…. Bei den ein oder anderen Kapitel musste ich kurz durchschnaufen, da es mich doch ein wenig mitgenommen hat. Eigentlich bin ich ja schon durch meine vielen True Crime Bücher einiges gewohnt, aber es kommt eben immer noch vor, dass mir was nahe geht. Kapitel 7 zum Beispiel mit der brennenden Frau….. oder ganz schlimm Kapitel 12.

Was mich in staunen und auch Kopfschütteln gebracht hat, war das Kapitel „eine verhängnisvolle Affäre“. Wie schon gesagt, es geht um eine Affäre und die beiden haben viel Alkohol und Drogen zu sich genommen. Wie oben schon gesagt, hat Claas Buschmann immer Vergleichsfälle zu dem jeweils vorgestellten fall. Auch hier, aber bei dem Hauptfall ging um eine Frau mit 12,2 Promille im Blut. Er erklärt warum es so sein könnte, aber das hat mich echt entsetzt. Der Fallbeispiel hatte „nur“ 5,6 Promille. Trotzdem, für einen Normaldenkenden unvorstellbar. Und auch der Rechtsmediziner war erstaunt darüber.

Mein Fazit zu dem Buch: Sehr guter Einblick in die Arbeit eines Rechtsmediziners mit guten Hintergrundwissen und Erklärungen. Manches hat mich wie oben schon gesagt, mitgenommen, anderes erstaunt. Aber alle Fälle haben mich auch ein wenig nachdenklich zurückgelassen. Es gibt s vieles in der Umwelt, was man gar nicht so meint. Z. B. der hier erwähnte tote, den man nach 25 Jahren auf dem Dachboden gefunden hat. Oder der Mann, der 13 Jahre lang unentdeckt in der Wohnung lag.

Ein wenig „Humor“ ist auch dabei. Wie die Handwerker, die im Hochsommer das Dach nur teeren sollten auf dem Gebäude der Rechstmedizin:

„Da strömen die Ausdünstungen mehrerer -absaganlagen ungefiltert nach draußen. …Offensichtlich hat niemand den Männern gesagt, auf welchen Gebäude sie da arbeiteten….

Ich kann das Buch nur bestens empfehlen, wer sich für Rechtsmedizin und der Arbeit interessiert. Denn hier ist nicht nur auf „Aktion“ geschrieben, sondern auch mit Hintergründen. Und so hoffe ich, dass Claas Buschmann seine Worte wahr werden lässt: „

Das Cover ist gut gewählt. Es zeigt den Rechtsmediziner und dier Titel ist in Gelb gehalten. Mit schwarzem Hintergrund. Schlicht einfach aber doch wirkungsvoll.

Danke an den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar